CARLOS

Der Terrorist aus der 9a

Heute läuft der Film “Carlos” an. Ilich Ramirez Sanchez, genannt Carlos der Schakal, war einst der berüchtigste Terrorist der Welt. Und ich besitze eine direkte Verbindung zu ihm. Denn seine rechte Hand, quasi sein Terror-Sidekick, ging einst auf meine Schule.

Ich komme aus Schwerte. Das ist eine mittelgroße Stadt in Westfalen, nicht ganz 50.000 Einwohner, eingeklemmt zwischen Ruhrgebiet und Sauerland. Die meisten Leute dürften kaum wissen, wo Schwerte liegt, kennen den Namen der Stadt aber irgendwoher. “Schwerte, Schwerte…was war da gleich noch?” Ich kann euch sagen, was da war: da war Stau.

Und auch, woher man Schwerte kennt: aus dem Verkehrsfunk. Denn Schwertes Hauptexportartikel ist zähfließender Verkehr: “A45: Acht Kilometer Stau zwischen Hagen-Nord und Schwerte-Ergste wegen einer Baustelle.” Ein Satz aus dem Radio, mit dem ich ebenso aufgewachsen bin wie mit Personen, die sich auf der Fahrbahn befinden, oder umgekippten Lkws auf der A1. Schwerte hat nicht nur den direkten Zugang zu einem einzigen Schnellweg, nein, es sind zwei, und auch noch Hauptverkehrsachsen.

Sollte Schwerte nun abermals in den Fokus der Medien geraten, dient als Anlass ausnahmsweise mal keine Blechlawine, sondern der Film “Carlos”, der heute in den deutschen Kinos anläuft. “Carlos” ist eine pseudobiografische Aufbereitung des Lebens und Wirkens von Carlos, dem Schakal. Der war damals per Du mit Muhammar al-Gaddafi, zu einer Zeit, als sich Libyens Staatschef noch nicht um eine reibungslose Thronfolge sorgte, sondern gegen die westliche Welt keilte und auch nicht vor Terror und Totschlag zurückschreckte (EDIT: Das mit der Thronfolge wird vielleicht doch noch etwas schwieriger). Sein Assistent war ein Deutscher namens Johannes Weinrich. Und der wiederum ging Mitte der 60er Jahre auf das Friedrich-Bährens-Gymnasium, der Schule, an der ich 1998 mein Abitur gemacht habe.

Soviel zur Exposition. Denn viel mehr als das weiß ich auch noch nicht. Weinrich sitzt mittlerweile in Berlin ein, womit sich ein zweites mal unsere geographischen Koordinaten kreuzen. Anlass genug, mehr über Johannes Weinrich herausfinden zu wollen: wie hat er seine Zeit am FBG (Schulnamen werden wohl überall ähnlich abgekürzt) verbracht? War er ein guter Schüler? Was sagen seine Lehrer über ihn, was ehemalige Klassenkameraden. Deswegen habe ich gestern mit unserem ehemaligen Vize-Rex telefoniert,und heute mit meinem alten Geschichtslehrer. Sobald sich ein Gesamtbild abzeichnet, werde ich darüber berichten.

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