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Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm

Neulich habe ich vom Tod der Maria Schmidt berichtet, die Frau mit dem Schild und der Fußgängerzonenmissionierung. Die gute Frau Schmidt drückte mir, ich war vielleicht 16 Jahre alt, einen Comic in die Hand. Er zeigte mit einfachsten Mitteln, wie und warum böse Kinder in die Hölle kommen und gute in den Himmel. An die Details habe ich mich leider nicht mehr erinnern können. Doch Erhard von der Mark vom christlichen Plakatdienst hat eine Version für mich ausgegraben und mir zugeschickt. Dafür nochmals vielen Dank.

Natürlich will ich Euch den Comic nicht vorenthalten. Schon damals hielt ich die Darstellungen – abgesehen von der Botschaft, die mich auch heute noch nicht erreicht – für den Gipfel der Naivität. Da wollte mich, der ich da durch die Fußgängerzone von Dortmund hetzte, eine Frau bekehren, sie wollte sagen: Junge, nimm dir Zeit, lies doch mal wieder die Heilige Schrift. “Liebe Frau Schmidt”, hätte ich sagen müssen, “Ihr Wort in Gottes Ohr, aber mit diesem Gekritzel fangen Sie die verlorenen Schäfchen niemals wieder ein. Das wurde ja gezeichnet, da war der Konrad Adenauer noch ein junger Kerl.”

Wer den Tod Jesu nicht für sich annimmt, bleibt ein Schmutzfink

Allein die Message grenzt an Erpressung. Man stelle sich nur mal eine x-beliebige deutsche Fußgängerzone vor, darin ein Promo-Team, gekleidet in albernen T-Shirts und Mützen. Es will den Leuten ein neues Fruchtsaftgetränk andrehen. Es erzählt, wie gut das Zeug schmecken würde, seine Mitglieder haben zwei, drei Schulungen hinter sich und eine ganze Menge überzeugende Argumente auf ihrer Seite: löscht den Durst, hat wenig Zucker, ist mit Vitamin C versehen, ist gar nicht so teuer, usw.

Diese Features besitzen alle anderen ernstzunehmenden Fruchtsaftgetränke aber auch. Deswegen hat das neue Getränk eine Besonderheit, einen Unique Selling Point: Es ist mit einem bisher unbekannten Fruchtzusatz versehen, der zwar geschmacklich irrelevant ist, aber toll klingt. Sowas wie Dragonfruit. Und nun sagt die hübsche Brünette aus dem Promo-Team, man müsse unbedingt den neuen Fruchtsaft probieren, denn wenn man es nicht tue, wenn man ihn von nun an nicht regelmäßig kaufe, dann würde etwas Schlimmes passieren. Dafür würde der Fruchtsaftgetränkehersteller persönlich sorgen.

Wer einen vernünftigen Menschen, egal welchen Alters, davon überzeugen möchte, mal wieder die Bibel aufzuschlagen, und dann argumentativ so um die Ecke kommt, “Glaub oder Stirb”, der missachtet die einfachsten Regeln des Straßenverkauf, und die lautet: Du gewinnst keine potentielle Kundschaft, indem du ihr mit der ewigen Verdammnis drohst.

3 Responses to Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm
  1. E. von der Mark Reply

    Ich finde es überhaupt nicht erpresserisch, jemanden auf die Folgen seines verkehrten Handelns aufmerksam zu machen.
    Wenn ich zu jemandem sage: He, wenn Du Drogen nimmst, gehst Du kaputt ist das doch ein positiver Hinweis und keine Erpressung.
    In diesem Sinne geht es bei Himmel oder Hölle auch gar nicht um Kundenwerbung für ein Produkt! Der Vergleich ist komplett daneben – sorry.

  2. Tim Reply

    Das Christentum bietet ein Heilsversprechen, das tun andere Religionen auch. Diese rhetorische Keule “Wenn du nicht glaubst, bist du verloren” lässt einem aber keine andere Wahl als zu glauben (wenn man tatsächlich meint, diese Entscheidung treffen zu müssen). Denn wer ist denn schon gerne verloren?

    Aber: Dass man sein Heil nur durch das Christentum bekommt, und nicht durch andere Überzeugungen, ob nun religiös oder sonstwie spirituell, ist eine exklusiv christliche Sicht. Das hat nichts mit verkehrtem Handeln zu tun. Man geht ja nicht kaputt, wenn man nicht an Gott oder Jesus glaubt bzw. dessen Geschichte um Jungfrauengeburt und wundersame Wiederauferstehung. Atheismus ist ja nicht Crystal Method. Es hieß ja eigentlich immer, es sei umgekehrt, “Opium fürs Volk” und so.

  3. anderer Tim Reply

    Jetzt wo die heilige Dreifaltigkeit endlich mal chemisch erklärt wurde hab ich sie auch mal kapiert. Danke, fundamentalistische Hardcore-Comic-Christen. Die “Macht” bei Starwars wurde ja auch viel glaubwürdiger, als sie in Episode One endlich mikrobiologisch fundiert dargestellt wurde.

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