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Dichta, Denka, Lena

Am Samstag ist es soweit. Wir gedenken Papst Johannes XII., der sich beim Glaubensakt mit einer verheirateten Frau hat erwischen lassen und von ihrem Gatten mit einem Hammer erschlagen wurde. Ich für meine Wenigkeit feiere sicherlich ein wenig den Meistertitel von Borussia Dortmund. Ignorieren werde ich dagegen den Eurovision Song Contest. Nicht, weil ich stattdessen um den Papst trauere, den habe ich bei Wikipedia exhumiert, und sein Schicksal hat mich den gesamten Nachmittag über nicht mehr losgelassen.

Auch an unserer Lena liegt das nicht. Persönlichen Kontakt hatten wir bisher keinen, und ich kann mich auch nur mäßig für ihre Musik begeistern, aber weder sie noch mich dürfte die relative Unkenntnis voneinander in irgendeiner Weise beeinträchtigt haben. Ich finde ihre quietschige Art bisweilen ganz sympathisch, denn unsere Lena wirkt freundlich und gar nicht dumm, ist ein äußerst hübsches Mädel, und ich kann mir vorstellen, dass sie diese ganze Vereinnahmung bis zu einem gewissen Grad irgendwie im Griff hat und/oder selbst unerträglich findet.

Aber der Eurovision Song Contest, der ESC in NRW, ist der Versuch, mit roher Gewalt ein Trauma aufzuarbeiten, mit dem wir abgeschlossen haben sollten, als unsere Lena in Oslo alle hinter sich ließ. (Ich höre jetzt auf, darauf hinzuweisen, dass Lena uns allen gehört, denn ich finde das ja eigentlich auch ziemlich penetrant. Lena würde mir da zustimmen.) Das Trauma, die größte bevölkerungsreichste Nation Europas zu sein, Nettozahler, Exportweltmeister der Herzen, aber seit Nicole und dem Wunsch nach ein bisschen Frieden nix mehr gerissen zu haben bei diesen Olympischen Spielen der Volksmusiken.

Der Adlerhorst der Dichter und Denker sein, die Erben Herders, aber sich von den Völkern des Balkans und des Baltikums stets zeigen lassen müssen, wie das mit der Folklore und der Herzenswärme funktioniert – das nagt an der deutschen Seele, da reicht ein Titel nicht, da muss eine Titelverteidigung her. Weswegen auch Lena, deren Nachname im Laufe des Jahres abhanden gekommen ist, einen Freibrief für Düsseldorf erhalten hat, und drumherum wurde dann eine Alibi- Show gebastelt, die sicherlich zu den schlechtesten Fernsehprodukten gehört, die sich unser Stefan je ausgedacht haben dürfte

Dieses Sicherheitsdenken kennt man auch aus dem Fußball. Manch erstarrter Geist wünscht sich, die Bundesliga solle doch jedes Jahr zur Belustigung der Massen einen Meister ausspielen. Am Ende aber würde man immer nur Bayern München und nicht etwa den BvB als fußballdeutschen Vertreter ins Rennen schicken. Denn nur die seien in der Lage, dem Kampf gegen das deutsche Trauma aufzunehmen. Man kann das in vielen Foren nachlesen, auch den weniger schlimmen. Ich hoffe deswegen inständig für Lena Meyer-Landrut, dass sie ab der Nacht zum Sonntag für uns nicht mehr gegen die Windmühlen anreiten muss. Davon kriegen nämlich auch die Reiter auf Dauer einen roten Kopf.

Nachtrag: Ich habe doch etwas Erbauliches zum Thema Eurovision gefunden: den Duslog von Stefan Niggemeier und Lukas Heinser. Quasi die weiche Seite der sonst so harten Nuss Niggemeier.

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